Der Geruch von Rauch und Ruß

von Ina Nádasdy Es roch nach Rauch und Ruß. Der Frost biss in ihre Haut. Ihr Atem verflog in spielerischen Arabesken. Sie hat auf ihn gewartet. Draußen, in der Kälte. Sie hat auf ihn gewartet, weil eine Tochter eben auf ihren Vater wartet. Aber ihr Vater ist nicht zu ihr gekommen. Sie glaubte, ihr Vater…

Wer das Böse kennen gelernt hat

von Ina Nádasdy Wer das Böse kennen gelernt hat, wurde von ihm markiert. Dieser Gedanke lässt mich die ganze Fahrt über nicht los. Ich schaue zu Polina, die das Lenkrad so fest umklammert hält, dass ihre Knöchel weiß hervor treten. Sie starrt gebannt auf die Straße, sie reagiert nicht auf meinen Blick. Ich sehe aus…

Ein gewogenes Leben

von Ina Nádasdy Julian hörte einfach auf zu essen. Er erinnerte sich noch genau an den Tag. Es war ein sonniger Dienstag. Ana war bei ihm gewesen. Sie hatte ihm gesagt, was er tun soll. Dass er jetzt das Stück Pizza wegwerfen solle. Aber so, dass es niemand sieht. Damals war er erst sechzehn gewesen….

Der Kater und das Schwert

von Ina Nádasdy Es war ein sonniger Samstag Nachmittag. Gáspár konnte die Sonne nicht leiden. Sie war zu heiß, zu aufdringlich. Seine Haut brannte. Manchmal dauerte es einige Tage bis die kleinen Bläschen und Rötungen verschwanden. Es war nicht schlimm, aber es fühlte sich so an. Deshalb hatte er sich in die schattigste Ecke des…

Das Wesen des Trotzes

von Ina Nádasdy „Mach das doch so“, sagst du. Nein, so will ich das nicht machen. Ich schlage das Notebook zu. „Du kannst das nicht“, sagst du. Ja, hat meine Mutter schon gesagt. Ich kann das! Ich weiß, dass ich es kann. Und es ist mir egal, was du erzählst. „Du machst das falsch“, sagst…

Es gibt nur uns beide

von Ina Nádasdy Sie konnte ihn nicht leiden. Außer einer ärgerlichen Last war er nichts. Er tat, was er wollte und entzog sich ihrer Kontrolle. Er roch nicht so, wie sie es mochte. Er hatte so einen käsigen Geruch, der an einen vergammelten Parmesan im Kühlschrank erinnerte. Er passte nicht in die Kleidung, die sie…

Das gleiche Ende

von Ina Nádasdy Ich folge ihnen, den roten Rückleuchten, die mir wie Grabkerzen den Weg erhellen. Es sind viele. Niemand weicht von der Straße ab, dem vorgegebenen Pfad. Ich weiß, dass wir alle am gleichen Ende zusammentreffen werden. Die weißen Lichter, die mir entgegenkommen, scheinen mir wie kleine Hoffnungsschimmer. Aber auch sie werden am gleichen…

Ein Blick in die Bibliothek

von Ina Nádasdy Ein Teil an den Wänden, orangengelb und blau. Werke, doch nur die dekadenten. Lateinische Sprache, hartnäckig, angetan, ihn zu reizen. Lackierte Sprache ohne Geschmeidigkeit der Syntax, ohne Farbe, ohne Unterscheidungen. Befreite Sprache, seichte Redensarten, unbestimmte Gemeinplätze amtlicher Perückenstöcke erzeugt eine Langeweile, einzig einer gleichen Kraftlosigkeit und Entmannung. Da ist der Sanfte, einer…

Spinning Around

von Ina Nádasdy Ich muss tanzen. Mich bewegen. Zu den elektronischen Tönen. Bass und Herzschlag im Takt. Mein Herz kann nicht anders. Der Synthesizer berauscht und stellt ruhig. Süßer Nebel steigt auf. Die Diskokugel reflektiert die bewegten Lichter. Farben tanzen am dunklen Himmel wie die Körper am Boden. Auch mein Körper bewegt sich zur Musik, bewegt sich einfach,…