Märchen, nachts

von Arina Molchan Ich habe schon immer in dieser Hütte gelebt – wahrscheinlich schon immer. Sie hat schwarze Wände, eine schiefe Tür. Die Dielenbretter sind so morsch, dass sie nachts gefrieren. Tagsüber schmelzen sie und riechen nach faulendem Holz und nasser Erde, riechen wie meine Kleidung, wie meine Haare. Manchmal höre ich ein Herz unter den Brettern schlagen. Vielleicht ist…

Sportler sein

von Alexander Wachter Beißende Lungen pumpen Kraft in den Körper, während Milchsäuren durch verklebende Faszien stoßen, an schreienden Muskeln ziehen. Auf dem Gesicht drücken sich Stirnfalten über blutleeren Lippen. Endorphine dribbeln, rennen, sprinten über die Kopfhaut, die Wirbelsäule hinauf, die Schenkel hinunter. Erregen pure Lebendigkeit. Und in den Augen ein kleines bisschen Wahnsinn.

wir, jünger

von Arina Molchan Ich erinnere mich: wir, jünger, zwischen unseren Händen die Milchstraße, zwischen unseren Händen nichts. Wie habe ich dich geliebt, damals, bloß durch das Spüren deiner Haut        

Es ist heiß #2 – Sommerliebe

von Verena Ullmann Schlieren klebriger Milch zieren Die zwei Paar Dunkelheiten Die sich zwischen unsere Augen- Blicke voll schweiß- Gestörter Zärtlichkeiten Schieben Am Abgrund des Bierglases Rastet sie summend, Kippt vorne über, segelt ins Nass, Säuft sich voll, Deckel drauf „Ein Helles, bitte!“ In Ruhe Ich ertappe deine Unverschämten Zehen Die sich im Winter Meine Bettdecke krallen…

*Zugehör

von Arina Molchan Wenn du dich durch die vitrinenverzerrte, bildschirmblaue, kopfhörertaubstumme Last-Minute-Masse drückst, jemanden anrempelst, fast stehen bleibst, weil die zwei Daunenmäntel vor dir zu langsam sind und du zu schnell, weil dein Lebensmittelpunkt in der Tasche vibriert, eine Nachricht, noch eine Nachricht, weil du noch in den dritten Stock musst, oder doch in das…