Sehnsucht nach Dunkelheit

von Arina Molchan „Gefallener Sternschnuppen großflächige Räumung wurde verordnet. Schließen sie alle Fenster und Türen und bleiben Sie in ihren Häusern“, knisterte es auf allen Radiowellen gleichzeitig durch die hell erleuchtete Nacht. Die Sternschnuppen – eigentlich Kolonien von biolumineszenten Mikroorganismen –  hatten sich zum ersten Mal Ende Dezember auf die Straßen gelegt; auf die Dächer der Häuser,…

Am Schatten amputiert

von Sophia Thomsen Das ist Herr Grünbeck, wie er lässig an der Ausgabe vom Kiosk lehnt, Standbein/Spielbein und mit der Pächterin schäkert. Dabei zieht er ab und zu seine Hose hoch, denn er ist mager und die Hose rutscht. Nachher dann der Herr Grünbeck auf einer Bank im Park, mit der Sommersonne im Genick. Und…

Nachtgesicht

von Arina Molchan   zwei Schritte zur Seite um die Kluft spüren zu lassen im Gesicht schien die Nacht bald würden im Licht der Mondsichel erfrorene Glühwürmchen ihm seine Schulter ins Wanken bringen – er unterbrach mich ließ das Wort leicht gewellt der Mondsichel kräuselte die Fläche geschützt hinter Mauern bewehrt, überspannt   So ist…

Etwas Feines

von Sophia Thomsen Immer nachts, wenn es am dunkelsten ist, passieren seltsame Dinge und merkwürdige Gestalten kommen aus dem Schatten hervor. Eigentlich wissen wir das – und schlafen trotzdem. Eine Graphic Novel       Foto: skitterphoto.com Rudy van der Veen

Katzen im Mondschein

von Verena Ullmann Schwere Katzen warten auf die Sonne. Räkeln sich im Mondschein, wie du dich auf deiner Decke. Kleine Pfützen trinken gierig Regen, als wären sie ambitionierte Kinder der Ozeane. Du fehlst mir wie Toilettenpapier auf dem Rastplatz. Alles ist eklig. Ich will weg. Mich auflösen als Milchschaum in einer Tasse Erinnerungen. Kaffee stinkt…

Heldentat 23

von Annika Kemmeter Die Schatten verschwammen mit der Dunkelheit des Watts. Sönke kniff seine Augen zusammen: Ja, doch, da waren Menschen. Sie winkten, winkten in alle Richtungen, vermutlich um Hilfe. Er war vor dem Zubettgehen noch mal aufs Rad gestiegen, um den Hühnern seiner Tante Ingrid den Wassertrog zu füllen. Sie tat es schon seit zwei…