Der letzte Kuss

Ist es Liebe oder Einsamkeit? Wer kann das schon immer unterscheiden?

Zeitschrift „sfd& ohne netz“ mit einem Beitrag von Verena Ullmann

Am 28. Oktober ist die 3. Ausgabe der Zeitschrift der schule für dichtung in wien erschienen. Darin: 35 deutsch- und englischsprachige Texte zum Thema „ohne netz“. Mit dabei: Ein Text von Verena Ullmann (mit Beteiligung vom sagenumwobenen Max Mustermann) Bestellung: Mail an sfd@sfd.at , 5 €, 136 Seiten, Isbn 978-3-9505119-0-1.

Angewohnheit

von Verena Ullmann Ich schleiche mich immer unabsichtlich an stehe plötzlich hinter Menschen berühre ihr Blickfeld und während sie noch zusammenzucken bin ich schon wieder weg um keinen Eindruck zu machen nur ein Gefühl zurückzugeben bitteschön

Du bist wie ich

Sie hatte graublaue Augen, spitze Eckzähne und einen feinen Nasenring. Knallpinke, schulterlange Haare, die selbst von Weitem strohig aussahen. Als würden sie knistern und knacken, wenn man darüber strich. Mal knallte sie den Hörer aufs Telefon. Nölte: „So ne Flitzpiepe“.
Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie sie es zu mir sagte.

Zu wenig zu spät

von Annika Kemmeter Keiner machte, was er sollte. Statt glatt und geduldig auf dem Schreibtisch zu liegen, verbogen sich die Blätter zu Papierfliegern. Der Stift kullerte über die Tischplatte bis er ein erhelltes Plätzchen gefunden hatte. Dort reckte er seine Mine der Sonne entgegen, dass sie ihn austrockne. Der Tesafilmhalter öffnete sich und ließ die…

Der Zaunkönig im Glas

von Ina Nádasdy Es war ein sonniger Tag. Sie läuft voller Erwartung aus dem Haus. Ein leichter Windhauch umschmeichelt sie und lässt ihr helles Haar fliegen. Ein perfekter Tag. In der Hand hält sie ein Glas mit Schraubverschluss. In dem verschlossenen Glas sitzt ein kleiner, hellbrauner Vogel mit schwarzen Knopfaugen. Er hat kaum Platz, nicht…

Der Ruf des Abenteuers

„Doch jetzt, wo ich sie so sah, wie sie verträumt auf die Wellen hinausblickte und so frei wie die Seemöwen zu sein schien, fragte ich mich, ob ich etwas verpasst hatte. Ob es wirklich so vernünftig war, ein vernünftiges Leben zu führen?“

Verheißung

von Verena Ullmann Leg dich auf den Schotterweg. Ist er breit genug für deine Ängste? Leute steigen über dich. Sie sehen die hohen Wellen nicht, hören nur die nächste S-Bahn kommen. Du überlegst wie jede Woche: Alte Freundschaft leuchtet leider und stellt die Reste in den Schatten. Ihr redet über Nichtigkeiten. Sagt „Meld dich mal“…