見ず知らずの [mizushirazu no]

von Victoria B. What are you doing? Working?“, frage ich, als wir uns das erste Mal im Flur begegnen. Ich bewohne mein Zimmer schon seit einer Woche und habe dich erst jetzt zu Gesicht bekommen, als du gerade an der Küche vorbei huschen wolltest. Mit der Hand vorm Mund, die Wangen leicht gerötet, peinlich berührt….

Leer, Teil 5: Verstehe!

Teil 5: Verstehe! von Martin Trappen Für Tony verlangsamte sich die Zeit im Fall. Realität – Traum, Wahrheit – Lüge. All diese Konzepte spielten keine Rolle. Nur die Perspektive war entscheidend. Tony verstand nun. Er konnte nicht fallen. Weil er sich im Wasser befand. Sofort wurde er langsamer. Sein Herzschlag übersprang einen Schlag vor Freude;…

Leer, Teil 4: Wisse!

Teil 4: Wisse! von Martin Trappen Tony schlug hart auf dem Boden auf. Die Pfleger hatten ihn von Andersens Büro zurück in seine Zelle geschleppt. Sein Kopf begann zu pochen, und er tastete nach einer Beule auf seiner Stirn. Die Gesichtslosen bereiteten seine Totenbahre vor – eine Injektion sollte sein Schicksal besiegeln. Ihm wurde schlagartig…

Leer, Teil 3: Glaube!

Hast du den Verstand verloren? Oder bist du der einzige, der noch nicht verrückt geworden ist?
Leer, Teil 3: Glaube.

Leer, Teil 2: Sieh!

Teil 2: Sieh! von Martin Trappen Tony stand eine Weile verwirrt auf dem Bahnsteig. Unter all den Anzügen konnte er den Fremden nicht erkennen. Ein Blick auf die Uhr machte ihm klar, dass er laufen musste. Er rannte im Slalom die Rolltreppe hinunter; die Gesichter huschten so schnell an ihm vorbei, dass er nicht merkte,…

Leer, Teil 1: Höre!

Teil 1: Höre! von Martin Trappen „Hattest du jemals einen Traum, der dir komplett real erschien? Was wäre, wenn du unfähig wärst, von diesem Traum wieder aufzuwachen? Wie würdest du den Unterschied zwischen Traumwelt und realer Welt erkennen?“ Tony wusste nicht, wo er diesen Satz gehört hatte. Er wusste auch nicht, warum ihm die Frage…

Zwischen den Zeilen

von Victoria B. Ich bin mir sicher: Seit dem ersten geschriebenen Wort meines Schriftstellerdaseins teile ich das Zimmer mit einem Plagegeist. Er macht sich ungefragt an meinem Eigentum zu schaffen. Nimmt, frisst, verdaut und spuckt es wieder aus. Die Reste seiner nächtlichen Exzesse finde ich am Morgen unkommentiert vor. Das dramatische an unserer stillen Beiwohnerschaft…

Hinter der Tür

von Verena Ullmann Wäsche aufhängen hat irgendwie etwas Meditatives, denke ich mir. Herausfischen, ausschütteln, aufhängen. Herausfischen, ausschütteln, aufhängen. Herausfischen … Der Türgriff geht nach unten und ich erschrecke mich kurz. Trotz zahlreicher Nachbarn, die ja laut Klingelschild inzwischen hier wohnen müssten, bin ich hier unten noch nie jemandem begegnet. Ich möchte schon freundlich grüßen, da sehe…

Sonnenstich

von Arina Molchan Anton und Elias saßen nackt auf der Aussichtsplattform des Baumhauses und starrten auf den Berg am Horizont. Die Sonne knallte auf ihre Schultern und der einzige Schatten hatte sich unter das Blätterdach des schwitzenden Waldes zu ihren Füßen gewühlt. Beide hatten die Augen halb geschlossen, die Schenkelhaut in die Ritzen der Rattanstühle hineingeschmolzen,…