Spinning Around

von Ina Nádasdy Ich muss tanzen. Mich bewegen. Zu den elektronischen Tönen. Bass und Herzschlag im Takt. Mein Herz kann nicht anders. Der Synthesizer berauscht und stellt ruhig. Süßer Nebel steigt auf. Die Diskokugel reflektiert die bewegten Lichter. Farben tanzen am dunklen Himmel wie die Körper am Boden. Auch mein Körper bewegt sich zur Musik, bewegt sich einfach,…

Waldmann

Irgendwo im Schwarzwald steht ein Baumstamm, der nicht so ist, wie alle anderen. Man erzählt sich, dass es einst ein Mensch war, der mit einem Fluch belegt wurde. Aber wer glaubt schon solche Ammenmärchen?

Und zu den Deckel

von Annika Kemmeter Die geräumige Stadtbahn fuhr lautlos über einstige Autostraßen, passierte mit Blumen, Gräsern und teilweise sogar Bäumen begrünte Mehrfamilienhäuser, blühende Häuser, die immer mehr Menschen anzogen. Nicht nur wegen der Bepflanzung auch wegen der Lage an der Hauptstraße. Denn wo sonst gab es eine so gute Infrastruktur? Zu spät fiel Marlene ein, dass…

Getrieben

von Ina Nádasdy Tag ist’s, als er nach Hause eilt. Unruhe jagt und hetzt ihn. Seine Augen tanzen, sie fangen kein Bild. Sein Blut pulsiert, die Adern zu eng. Alles in ihm ist bewegt und getrieben. Das Räderwerk in ihm dreht durch, nichts ist verbunden und alles geht frei. Dann steht die Zeit wie schwüle…

Enteignung

von Elias Vorpahl Bernhard Vogt stand auf dem Gehweg vor dem Mehrfamilienhaus und wartete auf die nächsten Interessenten. Es war ein Acht-Parteien-Haus, und ihm gehörten drei der acht Wohnungen.

Märchen, nachts

von Arina Molchan Ich habe schon immer in dieser Hütte gelebt – wahrscheinlich schon immer. Sie hat schwarze Wände, eine schiefe Tür. Die Dielenbretter sind so morsch, dass sie nachts gefrieren. Tagsüber schmelzen sie und riechen nach faulendem Holz und nasser Erde, riechen wie meine Kleidung, wie meine Haare. Manchmal höre ich ein Herz unter den Brettern schlagen. Vielleicht ist…

Ekel

von Ina Nádasdy Vor Schweiß triefend liegen zwei Bücher offen auf dem Tisch. Biotope aus Blut und Exkrementen, ein einziger Sud. Wie geöffnete Körper mit rissiger Haut liegen sie dort.   Die Körpersäfte fließen als Worte vertraut ins Auge. Natürlich … ehrlich. Sie fühlen sich warm an. Lustvoll, wie eine Ohrfeige, die danach angenehm brennt.

Sportler sein

von Alexander Wachter Beißende Lungen pumpen Kraft in den Körper, während Milchsäuren durch verklebende Faszien stoßen, an schreienden Muskeln ziehen. Auf dem Gesicht drücken sich Stirnfalten über blutleeren Lippen. Endorphine dribbeln, rennen, sprinten über die Kopfhaut, die Wirbelsäule hinauf, die Schenkel hinunter. Erregen pure Lebendigkeit. Und in den Augen ein kleines bisschen Wahnsinn.

Märchen

von Sophia Thomsen Viele Geschichten fangen so an: In einem tiefen dunklen Wald. Aber eine geht so: „Ich kannte einmal eine Frau. Ich kannte einmal eine Frau, die hieß Ursula. Sie lebte am Waldrand und hatte ein Kind, das nicht sprach. Und eines Tages war sie verschwunden.“ Diese Geschichte erzählt Malte, an einem Tisch mit…