Schenk Äpfel mir von aller Art

von Ina Nádasdy Christkind kam in den Winterwald, der Schnee war weiß, der Schnee war kalt. Doch als das heil’ge Kind erschien, fing’s an, im Winterwald zu blühn.* Eine Schneerose blühte am Waldrand, nicht fern vom Moor. Ungewöhnlich, es war doch erst Weihnachten. Elias stand unschlüssig auf dem Weg, starrte auf die kleine, weiße Pflanze…

Leer, Teil 5: Verstehe!

Teil 5: Verstehe! von Martin Trappen Für Tony verlangsamte sich die Zeit im Fall. Realität – Traum, Wahrheit – Lüge. All diese Konzepte spielten keine Rolle. Nur die Perspektive war entscheidend. Tony verstand nun. Er konnte nicht fallen. Weil er sich im Wasser befand. Sofort wurde er langsamer. Sein Herzschlag übersprang einen Schlag vor Freude;…

Leer, Teil 4: Wisse!

Teil 4: Wisse! von Martin Trappen Tony schlug hart auf dem Boden auf. Die Pfleger hatten ihn von Andersens Büro zurück in seine Zelle geschleppt. Sein Kopf begann zu pochen, und er tastete nach einer Beule auf seiner Stirn. Die Gesichtslosen bereiteten seine Totenbahre vor – eine Injektion sollte sein Schicksal besiegeln. Ihm wurde schlagartig…

Leer, Teil 3: Glaube!

Hast du den Verstand verloren? Oder bist du der einzige, der noch nicht verrückt geworden ist?
Leer, Teil 3: Glaube.

Leer, Teil 2: Sieh!

Teil 2: Sieh! von Martin Trappen Tony stand eine Weile verwirrt auf dem Bahnsteig. Unter all den Anzügen konnte er den Fremden nicht erkennen. Ein Blick auf die Uhr machte ihm klar, dass er laufen musste. Er rannte im Slalom die Rolltreppe hinunter; die Gesichter huschten so schnell an ihm vorbei, dass er nicht merkte,…

Leer, Teil 1: Höre!

Teil 1: Höre! von Martin Trappen „Hattest du jemals einen Traum, der dir komplett real erschien? Was wäre, wenn du unfähig wärst, von diesem Traum wieder aufzuwachen? Wie würdest du den Unterschied zwischen Traumwelt und realer Welt erkennen?“ Tony wusste nicht, wo er diesen Satz gehört hatte. Er wusste auch nicht, warum ihm die Frage…

Falsche Gedanken

von Ina Nádasdy Er roch den typischen Chlorgeruch, den er seit seiner Kindheit liebte, und er hörte das Kindergeschrei, das ihn heutzutage verkrampfen ließ. Denn dabei dachte er immer nur an sie. Seinen Stift hielt er so fest, dass seine Hand verkrampfte und die Knöchel weiß hervortraten. Normalerweise lenkte ihn das Schreiben immer gut ab,…

Hinter der Tür

von Verena Ullmann Wäsche aufhängen hat irgendwie etwas Meditatives, denke ich mir. Herausfischen, ausschütteln, aufhängen. Herausfischen, ausschütteln, aufhängen. Herausfischen … Der Türgriff geht nach unten und ich erschrecke mich kurz. Trotz zahlreicher Nachbarn, die ja laut Klingelschild inzwischen hier wohnen müssten, bin ich hier unten noch nie jemandem begegnet. Ich möchte schon freundlich grüßen, da sehe…

Tiefer als der Tod

von Ina Nádasdy Wenn jemand fragt, wo Albrecht steckt, dann ist die Antwort darauf: auf dem Friedhof. Er liegt dort nicht selbst. Auch keine Verwandten von ihm. Sondern es gefällt ihm dort einfach. Dort ist es still. Nichts und niemand regt sich. Seine Freunde wundern sich schon lange nicht mehr darüber. Ich übrigens auch nicht….