見ず知らずの [mizushirazu no]

von Victoria B. What are you doing? Working?“, frage ich, als wir uns das erste Mal im Flur begegnen. Ich bewohne mein Zimmer schon seit einer Woche und habe dich erst jetzt zu Gesicht bekommen, als du gerade an der Küche vorbei huschen wolltest. Mit der Hand vorm Mund, die Wangen leicht gerötet, peinlich berührt….

Leer, Teil 3: Glaube!

Hast du den Verstand verloren? Oder bist du der einzige, der noch nicht verrückt geworden ist?
Leer, Teil 3: Glaube.

Sucht

von Alexander Wachter   Donnernde Tropfen finden Durchsichtig gebrannten Sand. Dahinter Entblößen Teelämpchen trostlose Treibende. Der Rost hämmert synkopiert. Darunter Eine Sucht nach Geborgenheit. Darauf Einsam erkaufte Zweisamkeit. Hohl schmeckende Fingerspitzen Überlagern tosende Gedanken, deren Müdigkeit bis ins Herz Reicht. Bis zum Morgen Vielleicht.

Anderswo

von Margo Damm Wir versammeln uns um den Boden aus Wunden zu nähen und versuchen nicht zu töten. Meine Haut spannt den Faden und beginnt den eigenen Körper zu übertreten den schwarzen Kontinent zu lösen. Die Linie im zitternden Gras wiederhole dich tropfendes Wort. Wir sprechen uns der Boden soll Körper, soll Liebe werden und…

Die Entscheidung

von Lydia Wünsch  „Hey Großer!“ Piotrek hörte Neles Stimme und drehte sich sofort um. Als sie ihm entgegen kam, bemerkte er, dass ihre roten Locken kürzer waren als früher. Aber dann lächelte sie ihn an und er erkannte die schmale Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen. „Meine kleine Pippi Langstrumpf“, hatte er sie deswegen manchmal liebevoll genannt….

Willi wills

von Martin Trappen „So einfach kann das doch nicht sein.“ Jessikas Stimme beruhigte Willi immer. Ganz egal, wie anstrengend der Tag auch war, wenn er ihr zuhören konnte, war alles wieder in Ordnung. „Einfach habe ich auch nicht behauptet. Aber ich werde alles daransetzen“, gab Willi zurück. „Dagegen habe ich auch nichts, aber du darfst…

Reißen

von Arina Molchan Ihre Gedanken waren wie ein Klumpen verknoteter Ketten aus angelaufenem Silber: ein unentwirrbares Durcheinander; ein schmutziges, stumpfes Schwarz, weggeschlossen in einer Schädelschatulle und dort vergessen. Sie waren schon vor langer Zeit oxidiert, weil die Wände des Büros schwefelgelb waren; weil die Lüfter der Rechner einen fauligen Atem herausröchelten, der dann durch die…

Die Frau in der U6

von Alexander Wachter Ich hatte nach wie vor Sophies Geruch in der Nase. Spürte ihre Hände über meine Brust streichen. Hörte ihren Atem in meinem Ohr. Während ich auf die U-Bahn wartete, erregte mich der Gedanke an die Bewegungen ihres nackten Körpers unter mir. Sie hatte gemeint, dass sie mich besser findet, als jeden Mann, mit…

Was von dir bleibt

von Verena Ullmann Ich gehe auf dem Friedhof spazieren, wie jede Woche, und versuche, Abschied von dir zu nehmen. Dein Name ist nach wie vor in meine Schädelplatte gemeißelt. Nicht mehr so tief, aber ich spüre ihn deutlich genug, wenn er fällt oder einfällt. Deine Fotos sind gelöscht, nicht endgültig, doch außer Reichweite archiviert, direkt…