Rote Freiheit

Rot. Rot war es gewesen, das Kleid ihrer Träume. War es noch immer. Nur nicht an ihr.

Der Geruch von Rauch und Ruß

von Ina Nádasdy Es roch nach Rauch und Ruß. Der Frost biss in ihre Haut. Ihr Atem verflog in spielerischen Arabesken. Sie hat auf ihn gewartet. Draußen, in der Kälte. Sie hat auf ihn gewartet, weil eine Tochter eben auf ihren Vater wartet. Aber ihr Vater ist nicht zu ihr gekommen. Sie glaubte, ihr Vater…

Gedanken reisen

von Alexander Wachter In Gedanken gehe ich zurück zu unseren Gesprächen, auf dem Bett liegend. Meine Socken wandern die Wand hoch, meine Gedanken deinen Worten nach. Durch das Smartphone höre ich dich: jedes kehlige Lachen, jede fragende Stirnfalte. Den Kontinenten zwischen uns zum Trotz, fühlst du dich nah an. Ich gehe zurück und ich kuschele…

Es gibt nur uns beide

von Ina Nádasdy Sie konnte ihn nicht leiden. Außer einer ärgerlichen Last war er nichts. Er tat, was er wollte und entzog sich ihrer Kontrolle. Er roch nicht so, wie sie es mochte. Er hatte so einen käsigen Geruch, der an einen vergammelten Parmesan im Kühlschrank erinnerte. Er passte nicht in die Kleidung, die sie…

Sehr gut, danke

von Verena Ullmann „Und? Hat’s geschmeckt?“ „Ja, sehr gut, danke“, antwortet Marlene der Kellnerin, die jedoch zu sehr mit dem rutschigen Besteck beschäftigt ist, um ihr tatsächlich zuzuhören. Das Fleisch war etwas zäh und die Kartoffeln kalt, aber was solls, denkt Marlene und prüft mit der Zungenspitze ihre Zahnzwischenräume. Es ist immer so viel los…

Ein Tag von höchster Qualität

von Annika Kemmeter Ich erkenne in den Wolkenformationen einen Engel. Ein Augenschlag und er verfliegt, verwischt, verschwindet. Ich habe ihn dir nicht zeigen können. Ist er überhaupt da gewesen? Stille trotz Radio. Einmal sage ich zaghaft deinen Namen. Der Hall huscht in die Sofakissen, schmiegt sich in den Teppich, kriecht unter die Tapete. Ein Hall…

Ohne mich

Ich versuche zu verstehen, zittere. Du drehst dich um, schläfst. Dein Atem saugt mir die Luft aus den Lungen. „Dann habe ich eben Spaß mit anderen Frauen“, sagst du. „Ich verdiene eine Auszeit von dir.“

Sehnsucht nach Dunkelheit

von Arina Molchan „Gefallener Sternschnuppen großflächige Räumung wurde verordnet. Schließen sie alle Fenster und Türen und bleiben Sie in ihren Häusern“, knisterte es auf allen Radiowellen gleichzeitig durch die hell erleuchtete Nacht. Die Sternschnuppen – eigentlich Kolonien von biolumineszenten Mikroorganismen –  hatten sich zum ersten Mal Ende Dezember auf die Straßen gelegt; auf die Dächer der Häuser,…