Verborgene Ängste

2–3 Minuten
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Auszug aus „Die Erschaffung Adams“

von Lydia Wünsch

[…]

In der U-Bahn dachte Ave immer noch über Marius‘ Worte nach. Hatte er recht? Unruhig blickte er umher. Seine Gedanken kreisten immer um dasselbe. Was ist denn nur los mit dir, schalt er sich selbst. Sie ist aus deinem Leben verschwunden. Alles ist gut. Er fing wieder an, sich umzusehen. Doch keiner von den Mitfahrenden hatte die geringste Ähnlichkeit mit Lena. Bei der nächsten Station stiegen mehrere Leute ein. Ganz schön viel los um diese Uhrzeit, dachte er. Ave blickte auf die Uhr seines Handys. 1:21 Uhr. Dann wurde der Bildschirm schwarz. Fuck! Er hasst es, wenn sein Akku schlappmachte.

Ave sah von seinem Smartphone auf, als eine kleine Brünette direkt auf ihn zusteuerte. Für einen Moment setzte sein Herz aus. Unwillkürlich drückte er sich an die Rückenlehne. Die Frau kam näher und setzte sich ihm gegenüber. Erleichtert atmete er auf, als er erkannte, dass es nicht Lena war. Eigentlich hatte sie noch nicht mal Ähnlichkeit mit ihr. Gelangweilt starrte das Mädchen auf ihr Smartphone und kaute dabei ziemlich auffällig Kaugummi.

Auf der Party, bei der Ave und Lena sich kennengelernt hatten, hatte er ihr auch einen Kaugummi angeboten. Sie hatte abgelehnt. Sie würde Migräne davon bekommen, hatte sie gesagt …

„Gehen wir lieber Eine rauchen!“ Es war weniger ein Vorschlag als eine Aufforderung gewesen.

Eigentlich war Ave Nichtraucher, aber er wollte ihr imponieren. Also ging er mit ihr vor die Tür und ließ sich eine Zigarette geben.

„Bist du auch einer von diesen komischen IT-Leuten?“, fragt sie ihn.

„So in der Art. Ich bin Unternehmensberater für die IT-Branche. Aber davon abgesehen bin ich wohl auch ziemlich komisch.“

„Wieso?“

„Nun, das passiert, wenn man erwachsen wird. Man entwickelt so seine Eigenheiten“, sagte er und zuckte mit den Schultern.

„Also, ich würde lieber nicht erwachsen sein, wenn ich deswegen seltsam wäre“, sagte sie in einem entschlossenen Ton und nickte dabei heftig. Sie schien das richtig ernst zu meinen.

Ave musste lächeln. Amüsant war sie jedenfalls. „Ich kann nicht nicht erwachsen sein“, sagte er.

„Wieso nicht?“

„Ave drehte seine Zigarette in der Hand. Seine Lungen brannten vom Rauch. Er unterdrückte den Hustenreiz und schluckte. „Hm … Angst … Ich habe zu viel Angst vor einer Veränderung, schätze ich. Das System funktioniert ja ganz gut. Ich wüsste nicht, was passiert, wenn ich etwas verändere.“ Er schnippte die Zigarette weg und steckte seine Hände in die Hosentaschen.

Lena lachte auf.

„Was?“

„Du erinnerst mich an die Mutter einer Freundin“, sagte sie. „Sie hat sich eines Morgens schlecht gefühlt. Sie ging zum Arzt und klagte über Kopfschmerzen und Taubheit im Arm. Der Arzt riet ihr dringend, ins Krankenhaus zu fahren. Sie hatte aber zu viel Angst davor. Sie hasste Krankenhäuser. Außerdem wollte sie ihre Familie nicht alleine lassen.“

Lena machte eine Pause, um sich eine weitere Zigarette anzuzünden. Sie schnippte ein paar Mal vergeblich mit dem Feuerzeug.

„Hast du mal Feuer?“

Als Ave es ihr reichte, berührten sich ihre Finger. Nur leicht. Aber es genügte. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Sie sah ihm in die Augen und lächelte.

[…]   

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