Im Grenzgebiet

„Willkommen im militärischen Sperrgebiet, meine Dame. Vielleicht findest du hier etwas von dem, was du suchst.“
Karine sah ihn entgeistert an. „Was soll das?“
„Was sagst du zu meiner Überraschung?“ Tigran lächelte. „Willkommen in Ani!“ Er klang unbeschwert. „Also gut, willkommen bei Ani.“ Und er führte sie an den Gipfelrand des Hügels.

Systemfehler

„Hellbraune Locken, dunkelgrüne Augen und pfirsichfarbene Wangen. Das sollte mein Baby sein. Das hatte ich Ben bei unserem ersten Treffen im Café der Partnerbörse gesagt. Warum auch nicht? Wir waren kompatibel. Unsere Gene passten perfekt zueinander. Das hatte der Algorithmus errechnet.“

Friedliche Nächte

von Nina Lischke Ich sitze am offenen Fenster meines Zimmers und lausche den Klängen meiner Umgebung. Ein Saxophon – leise und melancholisch landen die Schallwellen auf meinem Fenstersims, hallen noch einen Moment nach und verflüchtigen sich dann. Die Vögel in dem großen Ahornbaum zwitschern ihre Abendlieder, während der schwarze Umhang der Nacht sich über das…

Deal

Lila lachte jetzt und stützte ihr Gesicht in beide Hände. „Ich will niemals von dir abhängig sein. Weder finanziell noch emotional.“

„Deal“, sagte ich und streckte ihr meine geöffnete Hand entgegen.

Tabulos

Manchmal frage ich mich, was das Schicksal dir sagen will, wenn es dich trifft wie ein Stück Kreide am Hinterkopf. Wie soll ich das verstehen, was es mir hinwirft? Wach auf oder Kannst du der Versuchung widerstehen?

Du bist wie ich

Sie hatte graublaue Augen, spitze Eckzähne und einen feinen Nasenring. Knallpinke, schulterlange Haare, die selbst von Weitem strohig aussahen. Als würden sie knistern und knacken, wenn man darüber strich. Mal knallte sie den Hörer aufs Telefon. Nölte: „So ne Flitzpiepe“.
Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie sie es zu mir sagte.

Zu wenig zu spät

von Annika Kemmeter Keiner machte, was er sollte. Statt glatt und geduldig auf dem Schreibtisch zu liegen, verbogen sich die Blätter zu Papierfliegern. Der Stift kullerte über die Tischplatte bis er ein erhelltes Plätzchen gefunden hatte. Dort reckte er seine Mine der Sonne entgegen, dass sie ihn austrockne. Der Tesafilmhalter öffnete sich und ließ die…

Der Ruf des Abenteuers

„Doch jetzt, wo ich sie so sah, wie sie verträumt auf die Wellen hinausblickte und so frei wie die Seemöwen zu sein schien, fragte ich mich, ob ich etwas verpasst hatte. Ob es wirklich so vernünftig war, ein vernünftiges Leben zu führen?“