Märzgedichte: Dahoam bleim

von Verena Ullmann   I. Dahoam bleim Ned außegeh Bloß außeschaugn Bloß schaugn, nix doa Alloa Woartn Schnaufa Unterdaucha Schloffa Dramma Ois umramma, butzn, woschn und sortiern S’Dahoam verliern Und auße woin Ebs anders woin Oisse woin (Liacht und Luft und Leid) Nix woin derfa Bloß schaugn, nix doa Alloa dahoam Ma seiba bleim  …

Sehr gut, danke

von Verena Ullmann „Und? Hat’s geschmeckt?“ „Ja, sehr gut, danke“, antwortet Marlene der Kellnerin, die jedoch zu sehr mit dem rutschigen Besteck beschäftigt ist, um ihr tatsächlich zuzuhören. Das Fleisch war etwas zäh und die Kartoffeln kalt, aber was solls, denkt Marlene und prüft mit der Zungenspitze ihre Zahnzwischenräume. Es ist immer so viel los…

Leseprobe: Am Ende bin ich

aus dem Debütroman von Alexander Wachter Vor 17 Jahren Über meinem Bett hing ein großes Wimmelbild. Ein Wald mit seinen Bewohnern war darauf abgebildet: Ich entdeckte kleine Kaninchen, die neben ihren Eltern hoppelten und deren Namen mich ins Stolpern brachten, sah Dachse aus ihren Höhlen kriechen, noch bevor ich wusste, was ein Dachs war. Ich…

Das gleiche Ende

von Ina Nádasdy Ich folge ihnen, den roten Rückleuchten, die mir wie Grabkerzen den Weg erhellen. Es sind viele. Niemand weicht von der Straße ab, dem vorgegebenen Pfad. Ich weiß, dass wir alle am gleichen Ende zusammentreffen werden. Die weißen Lichter, die mir entgegenkommen, scheinen mir wie kleine Hoffnungsschimmer. Aber auch sie werden am gleichen…

Schwarz-Rot-Braun

Heutzutage läuft so manches schief. Die Menschen reden nicht mehr vernünftig miteinander, die Politik versinkt in endlosen Debatten und rechtes Gedankengut ist auf dem Vormarsch. Welche Farbe hat doch gleich unsere Flagge?

Ohne mich

Ich versuche zu verstehen, zittere. Du drehst dich um, schläfst. Dein Atem saugt mir die Luft aus den Lungen. „Dann habe ich eben Spaß mit anderen Frauen“, sagst du. „Ich verdiene eine Auszeit von dir.“

Glatteis – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann Erwartungsvoi Küsst dei Blick No amoi Mei schware Stimm De diaf in mir Nach Worte fischt Und allawei Bloß de dawischt De deine Küsse fanga Doch ned erwidern kennan Über dei grouß Herz gstoipert Bin i woi afs Mei gfoin Mehr Gedichte von Verena Ullmann: Wedafest 30 Gedichte erzählen vom Alleinsein und…

Sehnsucht nach Dunkelheit

von Arina Molchan „Gefallener Sternschnuppen großflächige Räumung wurde verordnet. Schließen sie alle Fenster und Türen und bleiben Sie in ihren Häusern“, knisterte es auf allen Radiowellen gleichzeitig durch die hell erleuchtete Nacht. Die Sternschnuppen – eigentlich Kolonien von biolumineszenten Mikroorganismen –  hatten sich zum ersten Mal Ende Dezember auf die Straßen gelegt; auf die Dächer der Häuser,…

Wie eine Fliege Weihnachten feierte

von Frank Stein Im Flug denkt die Fliege sich manchmal: Warum bin ich allein? und: Alles bewegt sich so langsam. Manchmal denkt die Fliege sich auch: Das klebrig Süße da – das ist für mich! Ich werde mich laben am lieblichen Dufte … Manchmal denkt die Fliege sich: Da ist ein Schatten, bevor etwas Lautes…