Die Taxifahrerin

Ich muss wohl einen tiefen Seufzer von mir gegeben haben. Als ich antworten wollte, kam zu meiner Überraschung kein Laut heraus, als wäre der Weg zu meiner Stimme durch etwas blockiert. Ich versuchte mich zu räuspern und merkte zu meiner Erschütterung, dass etwas in mir aufsteigen wollte. Etwas warmes, gewaltiges und völlig unpassendes, ja um nicht zu sagen: unmännliches. Ich würde anfange zu weinen.  

Leseprobe Roman: Rosies Wunderkind

Mit Almanzo änderte sich sowieso alles. An dem Tag seiner Geburt lernte Rosie ein Gefühl kennen, das viel gewaltiger war, als sie es bislang gekannt hatte. Ihr wurde klar, dass von nun an nichts mehr so sein würde wie vorher. Nie mehr würde Rosie sich selbst genügen. Nie mehr zufrieden sein, wenn das Kind in ihrem Arm es nicht war. Almanzo: ihr kleiner Pirat. Ihr Wunderkind.

Die Unterbrechung

von Verena Ullmann Als sie klein war, sah sie den Kindern beim Spielen zu. Auf der Bordsteinkante balancierte sie. Vor und zurück. Nie jemandem im Weg. Jahrelang dasselbe Stück Asphalt im Blick, hörte sie sie: lachen, schreien, küssen, zur Arbeit und getrennte Wege gehen. Nie hat sie wer angesprochen. So konzentriert schien sie auf jeden…

Deal

Lila lachte jetzt und stützte ihr Gesicht in beide Hände. „Ich will niemals von dir abhängig sein. Weder finanziell noch emotional.“

„Deal“, sagte ich und streckte ihr meine geöffnete Hand entgegen.

Wolkenkuss

Ich weiß, ich bin zu emotional,
ich lasse dich nie in Ruhe,
hüpfe umher von Wolke zu Wolke.
Jeder Sprung eine neue Emotion.

Was wir noch lernen mussten

von Verena Ullmann Ich erinnere mich an den, der sagte „Kannst du dir deine Haare zurückmachen, wenn wir uns sehen? Dann siehst du besser aus.“ Ich erinnere mich an den, der kein Wort mit mir sprach, aber meinen Kopf streichelte, als ich auf der WG-Party einschlief. Ich erinnere mich an den, der sagte „I love…

Der letzte Kuss

Ist es Liebe oder Einsamkeit? Wer kann das schon immer unterscheiden?

Zeitschrift „sfd& ohne netz“ mit einem Beitrag von Verena Ullmann

Am 28. Oktober ist die 3. Ausgabe der Zeitschrift der schule für dichtung in wien erschienen. Darin: 35 deutsch- und englischsprachige Texte zum Thema „ohne netz“. Mit dabei: Ein Text von Verena Ullmann (mit Beteiligung vom sagenumwobenen Max Mustermann) Bestellung: Mail an sfd@sfd.at , 5 €, 136 Seiten, Isbn 978-3-9505119-0-1.

Angewohnheit

von Verena Ullmann Ich schleiche mich immer unabsichtlich an stehe plötzlich hinter Menschen berühre ihr Blickfeld und während sie noch zusammenzucken bin ich schon wieder weg um keinen Eindruck zu machen nur ein Gefühl zurückzugeben bitteschön