Verschüttet

von Nina Lischke Die Luft ist staubig und dick. Ich bin eingepfercht, fühle mich wie ein Stück Holz, das in der Werkbank eingespannt wurde. Diese Schmerzen überall. Das letzte Mal fühlte ich mich so nach meinem Sturz aus dem 1. Stock, als meine Schwester und ich Madita nachgespielt hatten. Ich spüre das kleine Wesen in…

Das Geschenk

Sie dachte an die vielen scheußlichen Geschenke, die Antonio ihr schon gemacht hatte. Die schweinchenrosa Sporttasche, der giftgrüne Schal … doch bei diesem Geschenk schnappte sie erstmal nach Luft.

Blanke Sehnsucht

von Nina Lischke Stumm liege ich auf dem hölzernen Untergrund, bleich wie frische Wandfarbe, voller Hoffnung auf unsere nächste Begegnung. Es werden nicht mehr viele sein, so fleißig wie er in letzter Zeit war. Paulo. Ein Name wie eine Seifenblase. Jeden Tag fiebere ich diesen Treffen entgegen und kaum ist er bei mir, versinke ich…

Es gibt nur uns beide

von Ina Nádasdy Sie konnte ihn nicht leiden. Außer einer ärgerlichen Last war er nichts. Er tat, was er wollte und entzog sich ihrer Kontrolle. Er roch nicht so, wie sie es mochte. Er hatte so einen käsigen Geruch, der an einen vergammelten Parmesan im Kühlschrank erinnerte. Er passte nicht in die Kleidung, die sie…

Prosaplätzchen #2

von Ina Nádasdy Heiligabend stand vor der Tür. Das ganze Jahr über hatte Mira sich darauf vorbereitet. Und jetzt war es da! Das erste Weihnachten ohne Papa. Sie hatte es sich schon gedacht, aber sie hatte nicht gewusst, wie schlimm es wirklich sein würde. So ganz allein in dem Haus. An Weihnachten. Im Advent hatte…

Ein guter Tag

von Lydia Wünsch Als sie an diesem Morgen aufwachte, wusste sie, dass es ein guter Tag werden würde. Es war der Tag ihrer ersten Lesung, denn sie hatte ein Buch geschrieben. Ausgerechnet sie: das kleine Mädchen vom Land, mit dem rumänischen Papa, der nie richtig deutsch gelernt hatte, und der Oma, die immer so gut…

Papà

von Lydia Wünsch   „Als sie ihn abholten, hat sie ihm seine Lieblingssachen heraus gesucht.“ Immer wieder hörte Aldo die Stimme seiner Frau Theresa. Heute Morgen beim Frühstück hatte sie ihm erzählt, dass Fredos Frau ihm sein blau-kariertes Hemd und seine beige Hose von Carlo Colucci hergerichtet hatte, als Fredo vom Bestattungsinstitut abgeholt wurde. Seitdem…

Der Wolf

von Elias Vorpahl „Wenn Blicke töten könnten. Einhundert Messerstiche. Jeden Tag. Tot bin ich trotzdem. Mein Name ist Wolf. Wolfgang, aber die Paar, die ihn nennen, sagen Wolf. Ja, das passt. Der einsame Jäger. Trotzt Kälte und Hunger. Lieblosigkeit. Trotzt Leblosigkeit. Es war ein kurzes Leben: Kindheit. Ich sehe sengend heiße Bolzplätze. Wir spielten trotzdem. Lachen,…

Der Garten

von Lydia Wünsch Wenn ich von Gärten rede, dann meine ich nicht die kleinen, grünen Vierecke in den sauberen Wohnanlagen. Ich rede von den richtigen Gärten. Den verwilderten. Von denen, die eine Geschichte erzählen. Ich rede von Gärten, in denen das Gras so hoch wächst, dass ein Kleinkind sich darin verstecken kann. Von einem Garten,…