Der Ruf des Abenteuers

„Doch jetzt, wo ich sie so sah, wie sie verträumt auf die Wellen hinausblickte und so frei wie die Seemöwen zu sein schien, fragte ich mich, ob ich etwas verpasst hatte. Ob es wirklich so vernünftig war, ein vernünftiges Leben zu führen?“

Das Geschenk

Sie dachte an die vielen scheußlichen Geschenke, die Antonio ihr schon gemacht hatte. Die schweinchenrosa Sporttasche, der giftgrüne Schal … doch bei diesem Geschenk schnappte sie erstmal nach Luft.

Blanke Sehnsucht

Diesen Text auch als Podcast hören! von Nina Lischke Stumm liege ich auf dem hölzernen Untergrund, bleich wie frische Wandfarbe, voller Hoffnung auf unsere nächste Begegnung. Es werden nicht mehr viele sein, so fleißig wie er in letzter Zeit war. Paulo. Ein Name wie eine Seifenblase. Jeden Tag fiebere ich diesen Treffen entgegen und kaum…

Fundstücke

von Verena Ullmann In den Sofaritzen Taste ich nach Nichts, hoffentlich (Meine Oma hatte immer Scheren im Sessel versteckt) Mein Kopf ruht auf Deinem Handrücken Rutscht hinab auf die Samtreste – Ist das Erdnusssalz An meinen Fingerspitzen? (Meine Mutter hatte immer Meine Tränen aufgelesen) Ich markiere das Sofa Mit losen Haaren Tupfe das Salz Unter…

Lieber Markus

Siegertext des Literaturpreises 2020/2021 der Gemeinde Stockstadt am Rhein von Annika Kemmeter Lieber Markus, es ist schwer, dir das ins Gesicht zu sagen. Ich weiß schon, was du denken wirst, wenn du diesen Brief findest: „Wie feige!“ Und du hast Recht, aber… asdf jklö asdf jklö asdf jklö…. Lieber Markus, wie soll ich beginnen? Findest…

Der Pfanne zuhören

von Annika Kemmeter Die alte Frau hieß Magarete, so lange sie Arbeitskolleginnen hatte. „Magarete, du glaubst nicht, wo ich den Chef gestern gesehen habe!“ So viel Gerede. Die alte Frau konnte sich nicht erinnern, worüber sie, bei Gott, all die Tage gesprochen hatten. Gretel hatte sie als Kind geheißen. So hatte sie zuletzt nur noch…

Glatteis – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann Erwartungsvoi Küsst dei Blick No amoi Mei schware Stimm De diaf in mir Nach Worte fischt Und allawei Bloß de dawischt De deine Küsse fanga Doch ned erwidern kennan Über dei grouß Herz gstoipert Bin i woi afs Mei gfoin Mehr Gedichte von Verena Ullmann: Wedafest 30 Gedichte erzählen vom Alleinsein und…

Am Schatten amputiert

Diesen Text auch als Podcast hören! von Sophia Thomsen Das ist Herr Grünbeck, wie er lässig an der Ausgabe vom Kiosk lehnt, Standbein/Spielbein und mit der Pächterin schäkert. Dabei zieht er ab und zu seine Hose hoch, denn er ist mager und die Hose rutscht. Nachher dann der Herr Grünbeck auf einer Bank im Park,…