Glatteis – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann   Erwartungsvoi Küsst dei Blick No amoi Mei schware Stimm De diaf in mir Nach Worte fischt Und allawei Bloß de dawischt De deine Küsse fanga Doch ned erwidern kennan   Über dei grouß Herz gstoipert Bin i woi afs Mei gfoin     Mehr Gedichte von Verena Ullmann: Wedafest 30 Gedichte…

wir, jünger

von Arina Molchan Ich erinnere mich: wir, jünger, zwischen unseren Händen die Milchstraße, zwischen unseren Händen nichts. Wie habe ich dich geliebt, damals, bloß durch das Spüren deiner Haut        

Herbstzeit

von Verena Ullmann Um drei Uhr Nachmittag schiebt der Herbst seine Wolken vor. Es ist zu hell, das Licht anzuknipsen, denke ich. Gerade dunkel genug für eine Kerze. Aber ich habe keine hier. Mit dem Klacken des Wasserkochers bläht sich die Stille in meiner Wohnung wieder zu alter Größe auf. In der Tasse warten eingerollte,…

Es ist heiß #2 – Sommerliebe

von Verena Ullmann Schlieren klebriger Milch zieren Die zwei Paar Dunkelheiten Die sich zwischen unsere Augen- Blicke voll schweiß- Gestörter Zärtlichkeiten Schieben Am Abgrund des Bierglases Rastet sie summend, Kippt vorne über, segelt ins Nass, Säuft sich voll, Deckel drauf „Ein Helles, bitte!“ In Ruhe Ich ertappe deine Unverschämten Zehen Die sich im Winter Meine Bettdecke krallen…

„Veto“ oder „Die Fünf Phasen“

von Lydia Wünsch  Es war am Frühstückstisch und einfach so – scheinbar aus dem Nichts – fiel ihm ein, dass er die Beziehung beenden wollte. Gerade hatten wir noch darüber geredet, was wir nachher einkaufen wollen, als er plötzlich einen tiefen Seufzer von sich gab. „Was ist los?“, frage ich ihn und greife nach seiner…

Der römische Brunnen und die Liebe

von Annika Kemmeter Es war einer dieser ersten Frühlingstage nach einem entsetzlich langen Winter. Und wie so oft kam er mit voller Wucht, als reiße schon der Sommer die Vorhänge aus Schleierwolken auseinander. Am Morgen hatte ich noch geschwankt zwischen Winterjacke und Frühlingsmantel. Nun hing mein Frühlingsmantel über dem Kinderwagen und ich saß in einer…

Du sagst

von Arina Molchan Du sagst: „Ich unterstütze dich“ und gehst. Ich bleibe alleine auf der Terrasse zurück – über mir die Krähen, unter mir die Regenwürmer. Ich ziehe die Handschuhe an und wühle die schwarze Erde auf, während im Wohnzimmer blaues Licht flimmert. Ich höre von dir den ganzen Abend lang nichts, weil dort die…

Der verliebte Herr Wunderlich

von Verena Ullmann Eines Frühlings, da hatte ich plötzlich Schmetterlinge im Bauch. Ist doch schön, denken Sie? Also bitte, muss ich einwerfen: Wer hat schon gerne Insekten im Verdauungstrakt. Und wer verlässt sich in so wichtigen Dingen denn bereitwillig auf diese fragilen, unberechenbaren Tierchen, die nicht mehr fliegen können, sobald man der Versuchung nachgibt, mit der…

Liebesnacht

von Lydia Wünsch Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, doch Gisela bekam nichts davon mit. Bei Gewitter konnte sie immer besonders gut schlafen, schon als kleines Kind war das so. Unter der weichen Bettdecke fühlte sie sich beschützt. Und so störte es sie auch heute nicht, dass Blitze das Zimmer erhellten und die Äste der…