Deutschlandwetter

von Annika Kemmeter

Der Himmel ist eisig. Grauer Wind treibt Regenfussel durch die Luft. Ich sitze auf der Couch, eine Tasse Tee in den steifen Fingern. Das Licht ist trüb und kalt, es schimmert fahl durch die unendliche, triste Wolkendecke. Wo die Sonne steht, lässt sich nicht sagen. Eine Gänsehaut sieht man nicht, es fröstelt unter der Haut. Ich schlage die Decke um meinen Körper. Ich blase in den Tee und nehme einen winzigen Schluck. Jetzt auf einer Insel sein, im Bikini den Körper der Sonne entgegenräkeln. Sand zwischen den Zehen. Die Augen vor der Helligkeit abschirmen. Die Erleichterung über einen flüchtigen Lufthauch. Jazz-Musik, die auf einem Klavier herumdümpelt. Ein knackiger und außerdem professioneller Kellner, der ein Glas frischgepressten Orangensaft auf einem Tablett balanciert. Eiswürfel, die im Glas klirren. Aus der prallen Sonne in den Schatten rollen. Lust haben, die Hände in einen Eiskübel zu stecken. Die Mittagshitze meiden. Das Licht beißt in die Augen. Mittags noch mal losmüssen. Sengende Strahlen. Nichts wirft Schatten. Die Fußsohlen eilen über glühende Kohlen. Tausend Nadelstiche kündigen den Sonnenbrand an. Vorwurfsvoll spannt rote Haut. Sich nach winterlichem Deutschlandwetter sehnen, nach der Frische des eisigen Windes und nach wolkengedämmten Licht. In einer kühlen Wohnung die Wärme einer Kerze und eines heißen Tees genießen. Sich in das Hier und Jetzt sehnen.

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