Blitzschlog – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann   D’Luft druckts oba Du hast nix zum sogn ’s braut se ebs zam Und i wui ned fragn   Werd scho wieda Wern Oder ned Magst mi gern Oder ned Segn ma dann Geht no lang So dahi Du und i Und sogst du Irgendwann Miaßma redn? Isses gwen   Mehr…

Ohne mich

Ich versuche zu verstehen, zittere. Du drehst dich um, schläfst. Dein Atem saugt mir die Luft aus den Lungen. „Dann habe ich eben Spaß mit anderen Frauen“, sagst du. „Ich verdiene eine Auszeit von dir.“

Glatteis – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann Erwartungsvoi Küsst dei Blick No amoi Mei schware Stimm De diaf in mir Nach Worte fischt Und allawei Bloß de dawischt De deine Küsse fanga Doch ned erwidern kennan Über dei grouß Herz gstoipert Bin i woi afs Mei gfoin Mehr Gedichte von Verena Ullmann: Wedafest 30 Gedichte erzählen vom Alleinsein und…

Sehnsucht nach Dunkelheit

von Arina Molchan „Gefallener Sternschnuppen großflächige Räumung wurde verordnet. Schließen sie alle Fenster und Türen und bleiben Sie in ihren Häusern“, knisterte es auf allen Radiowellen gleichzeitig durch die hell erleuchtete Nacht. Die Sternschnuppen – eigentlich Kolonien von biolumineszenten Mikroorganismen –  hatten sich zum ersten Mal Ende Dezember auf die Straßen gelegt; auf die Dächer der Häuser,…

Wie eine Fliege Weihnachten feierte

von Frank Stein Im Flug denkt die Fliege sich manchmal: Warum bin ich allein? und: Alles bewegt sich so langsam. Manchmal denkt die Fliege sich auch: Das klebrig Süße da – das ist für mich! Ich werde mich laben am lieblichen Dufte … Manchmal denkt die Fliege sich: Da ist ein Schatten, bevor etwas Lautes…

Gut Ding

von Annika Kemmeter „Kannst du nicht noch ein bisschen …“ Sabine streckt ihre Hand nach mir aus, die Augen träge. Die Bettdecke bewegt sich schläfrig über ihrem warmen Körper in meine Richtung. „Du weißt doch“, sage ich und bleibe stark. Wie jeden Morgen. Ihre Lippen schmollen. Ich küsse sie und sage: „Der frühe Vogel …“…

Vom Zwiebeldrachen, philosophischen Fragen über Eis und einem Fensterhund

von Arina Molchan Was passiert, wenn man einen Text aus dem Deutschen ins Japanische, Tadschikische, Bengalische, Hebräische übersetzen lässt und dann in die Sprache der Maori und wieder ins Deutsche? Von einer Maschine? Wieviel ist lost in translation? Wieviel unerwartete Poesie schleicht sich ein? Ein Experiment: Vom Zwiebeldrachen, philosophischen Fragen über Eis und einem Fensterhund…

Am Schatten amputiert

von Sophia Thomsen Das ist Herr Grünbeck, wie er lässig an der Ausgabe vom Kiosk lehnt, Standbein/Spielbein und mit der Pächterin schäkert. Dabei zieht er ab und zu seine Hose hoch, denn er ist mager und die Hose rutscht. Nachher dann der Herr Grünbeck auf einer Bank im Park, mit der Sommersonne im Genick. Und…

Würde

von Elias Vorpahl Das elegant gekleidete Wort betrat erneut die Bühne. Sie trug jetzt ein schwarzes Abendkleid mit samtroten Handschuhen. Kerzengerade stand sie dort. Ihre Geschichten waren gut gewesen, dachte ich. Die eine hatte von einem Historiker erzählt, der auf der Suche nach seinen Ahnen einen Stammbaum hinaufgeklettert war, von wo er dann aber nicht…