Natur disconnected

von Arina Molchan

Zwei Männer in Tweed stehen im Park und erkennen nichts. Einer von ihnen wird mir später von diesem Moment erzählen und sagen: „Damals, unter der Zeder, haben wir es nicht gesehen“ und „Hätten wir es geahnt, dann …“.

Aber noch stehen sie da im Vogelschreiregen und verstehen nicht. Verstehen nicht, warum sich fünf Menschen an die Bäume haben anketten lassen, um gegen die Abgrabung zu demonstrieren. Die Maschinen hatten doch schon längst angefangen, die Erde zu schlucken. Die Bakterienkolonien aus nassen Jacken und strähnigem Haar vermehren sich unkontrolliert, je näher der Lärm der Motoren heranrückt. Die zwei Männer hören nicht, was die Masse ruft, weil die Bagger und Sägen dröhnen und die Vögel schreien und alles ist durcheinander.

An der Stelle, an der die Maschinen die Erde aufreißen, samt Wurzeln und Regenwürmer, verfehlen sie nur manchmal Fußgelenke, weil die Masse drückt und immer größer wird und stolpert.

Später, wenn andere Bäume, an anderen Orten, herausgerissen und zu Zellstoff verarbeitet wurden, wird man darüber lesen können: Wie im Regen die Meinungen und Leben so vieler abgegraben wurden. Die Männer in Tweed werden es sagen, zu verschiedenen Zeiten auf verschiedenen Bildschirmen. Es wird niemanden sonst geben, der darüber spricht und kaum jemanden, der hinhört.

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