Fundstücke

von Verena Ullmann In den Sofaritzen Taste ich nach Nichts, hoffentlich (Meine Oma hatte immer Scheren im Sessel versteckt) Mein Kopf ruht auf Deinem Handrücken Rutscht hinab auf die Samtreste – Ist das Erdnusssalz An meinen Fingerspitzen? (Meine Mutter hatte immer Meine Tränen aufgelesen) Ich markiere das Sofa Mit losen Haaren Tupfe das Salz Unter…

Alle seine Namen

Diesen Text auch als Podcast hören! von Verena Ullmann Das Muster auf der Tapete in seinem Kinderzimmer erzählte ihm von seinem früheren Leben. Ebenso seine Träume von prächtigen Kirchen und Kathedralen (ein Wort, dass er damals noch nicht kannte), sowie die flackernde Neonröhre vor der Apothekentür. Überall fand er Zeichen – oder sie fanden ihn…

Weihnachten vielleicht allein

von Verena Ullmann Sie nimmt am Esszimmertisch Platz. Ihre bordeauxrot lackierten Nägel klappern auf der Tischplatte. Der Steinboden glänzt unter ihren Stilettos. Das Feuer im Kamin taucht den Raum in ein zauberhaftes, weiches Licht. Frank Sinatra beginnt im Wohnzimmer zu singen, kleine Glöckchen erklingen … alles ist perfekt für ihre kleine Weihnachtsfeier, stellt sie fest….

Frühstück to go

von Verena Ullmann Guten Morgen! Schön, Sonne! Raus auf die Straße. Schlafanzug. Egal. Ich will jetzt einen Kaffee! Kaffeeee! Oder auch ein Eis. Himbeer am liebsten! He Sie! Geben Sie mir! Was? Ja was „Was“?! Ein Himbeereis sofort! Läuft weg, der Mensch. Komischer Mensch. Ich laufe hinterher. Er schreit. Ich auch. Hilfe! Ich will doch…

Erkältungsgedichte

von Verena Ullmann   Selbstbehandlung I bin mei oanziger Patient Bis morgn muass‚ wieder geh Ois ligt etz in meiner Händ Irgendwo lign meine Händ Danebn a Tassn Tee Und braillebedruckte Schachterl Mach i af und zua I les de Beipackzedl Kämpf mid de Beipackzedl Lassts ma doch mei Ruah Sehr häufig schmerzt da Koopf…

Da versteckte Himme

von Verena Ullmann, frei nach Jules Supervielle   Wenn na koana oschaugt Is da Himme koa Himme mehr Er is wia mia a Wenn uns koana sigt Kriagt a anderne Farb Andre Woikan dazua A Himme fürn Himme alloa Und a Himme wiara wad Wenn na i etz dramma dad

Märzgedichte: Dahoam bleim

von Verena Ullmann   I. Dahoam bleim Ned außegeh Bloß außeschaugn Bloß schaugn, nix doa Alloa Woartn Schnaufa Unterdaucha Schloffa Dramma Ois umramma, butzn, woschn und sortiern S’Dahoam verliern Und auße woin Ebs anders woin Oisse woin (Liacht und Luft und Leid) Nix woin derfa Bloß schaugn, nix doa Alloa dahoam Ma seiba bleim  …

Sehr gut, danke

von Verena Ullmann „Und? Hat’s geschmeckt?“ „Ja, sehr gut, danke“, antwortet Marlene der Kellnerin, die jedoch zu sehr mit dem rutschigen Besteck beschäftigt ist, um ihr tatsächlich zuzuhören. Das Fleisch war etwas zäh und die Kartoffeln kalt, aber was solls, denkt Marlene und prüft mit der Zungenspitze ihre Zahnzwischenräume. Es ist immer so viel los…

Blitzschlog – aus dem Lyrikband „Wedafest“

von Verena Ullmann   D’Luft druckts oba Du hast nix zum sogn ’s braut se ebs zam Und i wui ned fragn   Werd scho wieda Wern Oder ned Magst mi gern Oder ned Segn ma dann Geht no lang So dahi Du und i Und sogst du Irgendwann Miaßma redn? Isses gwen   Mehr…