Zu tief gegraben….

von Lydia Wünsch

„Hast du gestern Spaß gehabt?“ Fragt er mich und sieht mir dabei tief in die Augen.

Ich nippe an meinem Wodka-Lemon und sehe ihn schüchtern an. Er ist süß. Er ist der Neue. Der neue Mann in meinem Leben. Es ist immer aufregend, sich mit einem neuen Mann zu treffen. Es ist unser zweites Date und außer Küssen lief noch nicht viel. Das ist spannend. Ich mag diesen Thrill des Anfangs. Wenn es noch kribbelt. Wenn man noch nicht weiß, wohin das Ganze führen wird.

Weiß man das nicht? Früher war es jedenfalls so. Früher war ich noch aufgeregt, wenn ich einen neuen Mann traf. Ich war gespannt auf das, was kommt. Auf eine gemeinsame, glückliche Zukunft vielleicht? Er ist Medizinstudent und er sieht gut aus…

„Ja, den hatte ich,“ antworte ich endlich. „Es war ein sehr schöner Abend gestern. Danke dir noch mal für die Einladung.“

Das freut mich. Er sieht zufrieden aus. Wenn er mich ansieht, dann lächelt er versonnen. Noch. Doch wie lange wird das anhalten? Wie lange wird er mich mit diesem Blick ansehen? Es ist alles noch so frisch. Wann werde ich ihm zu langweilig? Oder er mir?

„Wie lange ist eigentlich deine letzte Beziehung her?“ Fragt er nun.

„Nun, das kommt drauf an, was du so als Beziehung definieren würdest.“

„Ach, das weißt du nicht?“

„Naja, es ist eben nicht leicht zu definieren.“

„Waren es denn so viele Typen?“

Ich sehe, wie er sich interessiert vorbeugt. Ja, das macht sie immer neugierig. Das kenne ich schon.

„Naja, schwer zu sagen. Ein paar waren es schon …“

„Aha, und wie lange ist nun der Letzte her?“

„Also die letzte, wirkliche Beziehung hatte ich vor drei Jahren. Danach eigentlich nur Affairen.“

„Wow! Wie kommts?“

„Naja, es ist halt irgendwie immer schnell die Luft raus …“

„Von deiner Seite aus oder von seiner?“

„Hm … also ich denke, es ist mal so mal so …“

„Hm … interessant.“

„Und bei dir?“

„Also ich stehe eigentlich auf zwei Typen von Frauen: Die einen sind die, die alles für mich tun würden. Da ist das Problem, dass es schnell langweilig wird. Und der zweite Typ Frau ist der, bei dem ich meist leide. Dieser Typ würde eben nicht alles für mich tun und bei dem ist man oft auch nicht der Einzige … Welcher Typ bist du nun?“

„Nun, ich würde sagen, zunächst einmal bin ich der zweite Typ. Wenn ich aber dann anfange mich zu verlieben, werde ich zum ersten Typen. Das ist dann auch oft das Ende der Beziehung. Wenn ich dann merke, dass der Mann sich zurückzieht, gehe ich ebenfalls.“

„Zum nächsten Mann?“

„Ja“

„Also wie lange ist deine letzte Affaire nun her?“

„Eine Woche …“

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