Gefüllte Löcher

von Alexander Wachter

Nun wartete ich bereits geschlagene zwanzig Minuten auf ihn. Die Kellnerin hatte mir schon einen aufmunternden Blick zugeworfen, der so viel zu heißen schien wie: „Er kommt bestimmt gleich.“ Ich nickte höflich. Hoffentlich wusste sie, wovon sie sprach. Ich hielt das Warten kaum noch aus. Meine Beine wippten unentwegt unter dem Tisch auf und ab und mein Magen schien sich alle paar Sekunden zu verknoten, was eine penetrante Übelkeit bei mir auslöste. Ich hätte heute wirklich etwas essen sollen. Vielleicht war es aber auch nur ein Zeichen der Aufgeregtheit und Vorfreude. Meine Schweißdrüsen schienen da nämlich ebenfalls mitmachen zu wollen. Ich griff nach einer der Servietten auf dem Tisch und wischte mir über die Stirn, den Hals und – so unauffällig wie möglich – unter den Achseln. Das war doch kein Zustand. Musste es ausgerechnet heute so schwül sein? Die könnten hier drinnen auch wirklich mal lüften. Und wann kam er denn endlich? Alles würde bestimmt gleich besser werden, wenn er erst mal hier war. Oh ich hoffe, er sieht genauso zum Anbeißen aus, wie auf seinem Bild.

Als dann endlich die Tür aufging, erkannte ich ihn sofort. Bei seinem Anblick fingen meine Hände an zu kribbeln. Er wurde von der Kellnerin an meinen Tisch geführt. Dann stand er endlich vor mir. Eine Stille folgte, in der ich ihn von unten bis oben musterte. Er strahlte eine kühle Selbstsicherheit aus, die mich augenblicklich schwach werden ließ. Ihm war bewusst, wie gut er aussah und dass ich mich kaum noch beherrschen konnte, nicht über ihn herzufallen. Ich konnte bereits von meiner Tischseite aus seine beträchtliche Größe erkennen. Allem Anschein nach freute er sich auch, mich zu sehen. Ich stellte mir seinen Geschmack auf der Zunge vor und wie köstlich er sich an meinen Gaumen schmiegen würde. Erst kühl und dann immer wärmer und wärmer werdend, bis er all seine eisern aufgebaute Selbstbeherrschung verlieren und meine Speiseröhre hinunter dringen würde.

„Du siehst genauso aus wie auf deinem Bild“, flüsterte ich. Einmal jemand, der hielt, was man von ihm erwartete. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal erleben würde.

„Ich fülle alle deine Löcher, mon amour!“, flüsterte er lasziv und mein ganzer Körper begann zu beben vor Verlangen. Er schien zu wissen, was in mir vorging, und ließ eine seiner Schokoperlen gekonnt langsam über die üppige Sahne hinunterrutschen. Bei dem Anblick konnte ich mich nicht mehr beherrschen.

„Ich will dich!“, entfuhr es mir. Seine Antwort kam postwendend: „Dann nimm mich!“

Meine Hand griff nach seinem kühlen Stängel und zog ihn zu mir her. Mit meiner anderen hielt ich schon den Löffel. Ich war bereit über ihn herzufallen. Der erste Bissen jagte mir glühende Endorphine durch den Körper und steigerte mein Verlangen ins Unermessliche. Ich leckte, saugte, biss und schlürfte ohne Unterlass, bis nichts mehr von ihm übrig war, außer dem leeren Glasbecher. Ich verspürte eine angenehme Kühle in meinem Inneren und schob ihn von mir weg. Er konnte mir nichts mehr geben.

Vollkommen befriedigt lehnte ich mich zurück. Wer brauchte denn schon Männer?

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