Die Taxifahrerin

Ich muss wohl einen tiefen Seufzer von mir gegeben haben. Als ich antworten wollte, kam zu meiner Überraschung kein Laut heraus, als wäre der Weg zu meiner Stimme durch etwas blockiert. Ich versuchte mich zu räuspern und merkte zu meiner Erschütterung, dass etwas in mir aufsteigen wollte. Etwas warmes, gewaltiges und völlig unpassendes, ja um nicht zu sagen: unmännliches. Ich würde anfange zu weinen.  

Leseprobe Roman: Rosies Wunderkind

Mit Almanzo änderte sich sowieso alles. An dem Tag seiner Geburt lernte Rosie ein Gefühl kennen, das viel gewaltiger war, als sie es bislang gekannt hatte. Ihr wurde klar, dass von nun an nichts mehr so sein würde wie vorher. Nie mehr würde Rosie sich selbst genügen. Nie mehr zufrieden sein, wenn das Kind in ihrem Arm es nicht war. Almanzo: ihr kleiner Pirat. Ihr Wunderkind.

Das Geschenk

Sie dachte an die vielen scheußlichen Geschenke, die Antonio ihr schon gemacht hatte. Die schweinchenrosa Sporttasche, der giftgrüne Schal … doch bei diesem Geschenk schnappte sie erstmal nach Luft.

Fundstücke

von Verena Ullmann In den Sofaritzen Taste ich nach Nichts, hoffentlich (Meine Oma hatte immer Scheren im Sessel versteckt) Mein Kopf ruht auf Deinem Handrücken Rutscht hinab auf die Samtreste – Ist das Erdnusssalz An meinen Fingerspitzen? (Meine Mutter hatte immer Meine Tränen aufgelesen) Ich markiere das Sofa Mit losen Haaren Tupfe das Salz Unter…

Familienbilder

Wir denken an die alten Menschen unserer Kindheit und erinnern uns.

Vier Generationen Unendlichkeit

von Annika Kemmeter Ich kann die Glasmuschel mit einer Hand genau umschließen. Ich habe sie von zu Hause mitgebracht. Meine beste Freundin will nicht mit mir spielen. Ich hänge mich an Mama, aber Mama will zur Arbeit und mich allein zurücklassen. Alles, was ich will, geht nicht. Es ist so schlimm, dass ich weine. Ich…

Hoch hinaus

von Lydia Wünsch Ich erinnere mich nicht an vieles. Nur eine Sache. Es war das einzige Mal, dass du recht hattest. „Weißt du, es gibt Menschen, die gehen ganz schnell von hier zu ihrem Ziel.“ Du zeigtest mit dem Finger auf einen Punkt, etwa da, wo mein Bauchnabel war und fuhrst eine imaginäre Linie hoch…

Schneeschmelze – Reise mit Hindernissen

von Ina Nádasdy „Raphael? Raphael, hörst du mir eigentlich zu?“ Maggie musterte ihren Mann vom Beifahrersitz aus. „Ja, ich höre dir zu“, stöhnte er. „Ich habe es vernommen. Nächste Woche kommt deine Mutter. Das ist nicht schwer zu erraten, weil sie jedes Jahr zur selben Zeit zu Besuch kommt.“ Raphael starrte weiter auf die Straße…