Wärme

von Elias Vorpahl

Die blassen, grauweißen Stellen an seinen Füßen waren jetzt rot unterlaufen. Das Blut hatte Blasen gebildet. Er hockte in seinem Zelt im Schnee und wärmte seine Hände an der Flamme der letzten verbliebenen Gaskartusche. Die Hände brauchte er noch. Auf die Füße konnte er verzichten. Er wollte Sarah streicheln, ihre weiche Haut berühren. Wie viele Wochen waren vergangen, seitdem er sie zum Abschied umarmt hatte? Wann hatte er sich aufgemacht, diesen verdammten Ort zu erreichen? Er hatte geglaubt, stärker als der Ort zu sein, ihn überwinden zu müssen. Die Wahrheit war, dass er zu keinem Zeitpunkt seines Lebens stärker als der Ort gewesen war. Die Kälte hatte es hier schon vor seiner Geburt gegeben. Das Grölen des Windes. Auch den Tod hatte es hier schon vor ihm gegeben. Es hatte zu lange gedauert, das Biwak aufzuschlagen. Er hatte keine Stelle gefunden, die genug Schutz vor dem Wind bot. Das Zelt roch nach dem Propan der Gaskartusche. Die blaue Flamme leckte über den Brenner. Er trank noch einen Schluck. Der Alkohol öffnete die Zellen und ließ die Restwärme in seinem Körper zirkulieren. Das fühlte sich gut an. Das Gas war fast aufgebraucht. Sein Leben fast gelebt. Sarah gäbe es noch. Die Flamme kroch in sich zusammen. Ihre weiche Haut. Sie erlosch. Ihr duftendes Haar. Etwa Gas strömte noch nach. Jemand würde sie lieben. Jemand anderes.

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