Keine Ideen. Und was nun?

von Ina Nádasdy

Du sitzt nun also schon wieder vor dem berüchtigten leeren Dokument, sagt mein MacBook, während ich in den Bildschirm starre und den Kaffee in meiner Tasse umrühre.

Na, fällt dir mal wieder nichts ein? Ich glaube, ich kann ihn lachen hören.

Ganz ruhig. Du weißt doch, Stress und Druck hemmen die Kreativität. Lehn dich einfach entspannt zurück. Ich hab da mal für dich gegoogelt.

Nimm dir ein Buch zur Hand. Hier sind die aktuellen Spiegelbestseller:

  1. Rossmann, Dirk: Der neunte Arm des Oktopus
  2. Fitzek, Sebastian: Der Heimweg
  3. Link, Charlotte: Ohne Schuld

Oktopoden sind spannende Wesen. Aber Lesen ist gerade zu anstrengend, denke ich. Mein Mac merkt es sofort.

Ich habe alle drei für dich bestellt. Morgen kommen sie mit der Post. Versuchen wir für heute etwas anderes. »Die ganze Welt ist eine Bühne«, sagt William Shakespeare. Aber sie ist nicht nur das – vor allem ist sie eine Bühne mit gefühlt unendlichem Repertoire und einer riesigen Menge an Schauspieler*innen und Requisiten. Gehe einfach mal mit offenen Augen spazieren. Du wirst überrascht sein, was man draußen alles findet.

Stimmt, sage ich. Heute war ich ja schon draußen. Da war ein alter Mann, der sich zwischen parkenden Autos nach Kastanien bückte. Ein schönes Bild.

Passend dazu: Gibt es ein Gefühl, das dich nicht mehr loslässt, oder eine Situation, die dich reizt? Schreibe darüber. Stelle dir dabei so viele Fragen, wie möglich: Wer ist deine Figur und warum fühlt sie sich so? Wie konnte sie in diese Situation geraten?

Wenn du ein Gefühl oder eine Situation im Kopfhast, die scheinbar gar nicht zusammen passen, schreibe darüber. Das ist eine hervorragende Herausforderung, genau diese beiden in einem Text zu matchen.

Ob der alte Mann, der Kastanien sammelte, einsam ist? Und ob vielleicht eine Begegnung mit einem Oktopus etwas daran ändern kann?

Ok, jetzt hab ich eine Idee. Aber ich weiß trotzdem nicht, wie ich anfangen soll. Ich glaube, ich habe eine Schreibblockade.

Ich habe in einem Schriftstellerblog Folgendes gefunden:

Kreativ ist man immer. Aber falls es doch einmal hakt, haben wir hier für dich drei kleine Schreibübungen:

  1. Szenen aus Büchern umschreiben: Suche dir deine Lieblingsszene aus einem Buch aus und schreibe sie um. Ersetze die Figuren darin durch deine eigenen. Wie verhalten sie sich in dieser Situation? Was sagen sie zu einander? Wie gehen Sie miteinander um? Tipp: Du kannst natürlich auch eine Szene aus einem Film oder einer Serie wählen und diese niederschreiben. Versuche dabei, die Atmosphäre einzufangen und die Gefühle und Gedanken einer Figur oder aller Figuren in Worte zu fassen.
  1. Dialoge schreiben: Lass deine Figuren doch einfach mal miteinander reden. Sie können plänkeln, streiten, heucheln – störe sie nicht dabei. Nach etwas Small-Talk – mal mehr, mal weniger – kommen sie schon zu den wichtigen Punkten, die du sicher für deinen Text brauchen kannst.
  1. Szene sachlich gliedern: Du hast eine Szene im Kopf? Klasse, dann schreibe sie stichpunktartig auf. Während des Schreibens wirst du schnell merken, ob noch etwas fehlt oder ob etwas gar nicht hineinpasst. Dann kannst du es gleich korrigieren. Die Stichpunkte helfen dir dann bei der Reinschrift, dass du nicht den Roten Faden verlierst.

Verstehe, sage ich. Ich plotte also erstmal nur auf der Handlungsebene, richtig? Und dann mache ich erst den Feinschliff?

Probier es aus. Dann merkst du schon, ob das für dich funktioniert. Ich sehe gerade, wie spät es ist. Ich soll dich doch an deine Schlafenszeit erinnern. Lass uns morgen weitermachen. Und vergiss nicht, dir einen Block und einen Stift neben das Bett zu legen. Nachts nach einem Traum oder morgens hat man doch meist die besten Einfälle.

Ja, du hast du recht. Das probiere ich mal aus. Hast du noch ein paar Tipps?

Routine ist wichtig. Nimm dir also regelmäßig Zeit fürs Plotten und Schreiben. Lass uns das morgen doch gleich nochmal zusammen versuchen. Dann macht es auch gleich viel mehr Spaß. Und das ist doch das Wichtigste.

Ich lächle. Wie recht mein Mac doch hat. Wie schön, einen so hilfreichen Freund zu haben. Ich bin schon neugierig darauf, welche Geschichten wir beiden uns noch ausdenken werden.

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