Unter dem leeren Himmel

von Arina Molchan

Heute werde ich mich erinnern, verstehen, was du in deinen letzten Tagen gesehen haben musstest, allein, also warte ich, bis der blaue Zug heranrollt, schnaufend zum Stehen kommt, die Fenster blind in der Sonne, wie damals mit dir in der Kindheit und wie immer ist er leer und ich steige ein, immer um zehn, und sehe die Landschaft vorüberziehen, bis sie anhält und der Zug mich ausspuckt und mich allein am Bahnsteig zurücklässt, bei dem der Mohn und die Schafgarbe und die Ringelblumen durch den Asphalt brechen und die Pollen in der Luft stehen wie in Bernstein erstarrt und die Schienen elektrisch vibrieren, hoch, kalt – dann gehe ich los und hinterlasse Fußabdrücke in dem aufgeweichten Teer, folge einem Trampelpfad durch die hüfthohen Gräser, die wogen und zirpen und mich zecken und mir die Waden zerkratzen, bis ich an den Zaun komme, den die wilde Hagebutte zur Seite gedrückt hat und bei dem zwischen den morschen Holzpfählen Brennnesseln wuchern und mir die Haut streicheln als ich über das Gartentor steige und das Haus durch die Hintertür betrete und meine alten Fußspuren im Staub auf den Treppenstufen nachlaufe, während unter meinen Schritten das Holz ächzt auch das ganze Haus und dann sehe ich hinaus aus dem leeren Raum auf die leeren Gleise in der leeren Landschaft unter dem leeren Himmel und warte auf

Etwas

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